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Die Energiewende in Deutschland

Die Energiewende in Deutschland lässt sich vor allem anhand von Zahlen, Investitionen und der vorhandenen und geplanten Infrastruktur bewerten. Für Unternehmen, Energieversorger und Investoren stehen dabei Versorgungssicherheit, Kostenkontrolle und Planungssicherheit im Vordergrund. Die aktuellen Daten zeigen: Der Umbau des Energiesystems schreitet voran, verläuft aber je nach Technologie und Region sehr unterschiedlich.

Unternehmen setzen stärker auf eigene Energieversorgung.

 

Immer mehr Unternehmen investieren in Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher und elektrische Fahrzeugflotten. Hintergrund ist vor allem die bessere Planbarkeit der Energiekosten und die Unabhängigkeit in der Versorgung und von großen Preisschwankungen.

Doch in vielen Fällen zeigen sich auch die Grenzen der Eigenversorgung. Selbst größere PV-Anlagen decken in vielen Betrieben bislang nur einen Teil des Strombedarfs. In den meisten Firmen sind es gerade einmal 20 bis 25 Prozent. Das unterstreicht, dass Unternehmen trotz eigener Erzeugung weiterhin auf ein stabiles öffentliches Stromnetz angewiesen bleiben.

 

Hohe Ziele beim Ausbau von Wind- und Solarenergie

Deutschland hat für die kommenden Jahre sehr hohe Ausbauziele definiert. Bis 2030 soll die installierte Windkraftleistung auf rund 145 Gigawatt steigen, bis 2045 auf etwa 230 Gigawatt. Bei der Photovoltaik sind bis 2030 rund 215 Gigawatt vorgesehen, langfristig sogar 400 Gigawatt.

Diese Zielgrößen zeigen, wie hoch das notwendige Ausbautempo ist. Um sie zu erreichen, müssen Jahr für Jahr erhebliche zusätzliche Kapazitäten installiert werden. Dafür wurden feste Ausbaupfade formuliert, die den jährlichen Zubau vorgeben.

 

Die Ausbauzahlen fallen je nach Technologie sehr unterschiedlich aus

Die tatsächlichen Ausbauzahlen zeigen aber ein gemischtes Bild. Bei der Windenergie blieb Deutschland 2025 hinter dem vorgesehenen Jahresziel zurück. Die installierte Leistung lag rund 8,9 Gigawatt unter Plan.

Anders sah es bei der Solarenergie aus. Hier wurde das Jahresziel deutlich übertroffen. Der Ausbau lag 2025 rund 11,6 Gigawatt über der vorgesehenen Zielmarke. Das verdeutlicht, dass Photovoltaik deutlich schneller realisiert werden kann als Windkraftprojekte.

Der wichtigste Grund liegt in den unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Solaranlagen lassen sich oft in kurzer Zeit auf Dächern, Freiflächen oder an Gewerbestandorten errichten. Windkraftprojekte benötigen dagegen meist längere Planungs- und Genehmigungsverfahren und stoßen regional häufiger auf Nutzungskonflikte und sind Gegenstand langwieriger Klageverfahren.

 

Wind und Solar sind regional ungleich verteilt

Ein zentrales Merkmal der Energiewende ist die regionale Ungleichverteilung der Erzeugung. Bei der Windenergie dominieren vor allem die norddeutschen Bundesländer. Niedersachsen und Schleswig-Holstein zählen zu den stärksten Regionen beim Ausbau. Besonders Nordfriesland gehört bundesweit zu den Landkreisen mit der höchsten installierten Windleistung.

Insgesamt entfallen rund 40 Prozent der deutschen Windkraftleistung auf norddeutsche Bundesländer, obwohl diese weniger als ein Fünftel der Landesfläche ausmachen. Gründe dafür sind die besseren Windverhältnisse und günstigere regionale Rahmenbedingungen. In mehreren südlichen Bundesländern bremsen dagegen strengere Abstandsregeln und andere Restriktionen den Ausbau.

Bei der Photovoltaik zeigt sich ein anderes Bild. Hier liegen die Schwerpunkte stärker im Süden, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Die Sonneneinstrahlung ist dort höher, gleichzeitig ist die Verteilung insgesamt gleichmäßiger als bei Windkraft. Hinzu kommt der starke Zuwachs bei kleinen Solaranlagen für Privathaushalte, etwa bei Balkonkraftwerken.

 

Speicher werden zur Schlüsseltechnologie

Mit dem wachsenden Anteil wetterabhängiger Stromerzeugung steigt auch die Bedeutung von Batteriespeichern. Sie sollen Überschüsse aufnehmen und bei Bedarf wieder bereitstellen.

Ende 2025 verfügte Deutschland über Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von rund 25 Gigawattstunden. Nach Einschätzungen des Fraunhofer ISE werden bis 2030 jedoch rund 104 Gigawattstunden benötigt, um ein stark erneuerbares Stromsystem stabil betreiben zu können. Der bisherige Stand deckt also nur etwa ein Viertel des erwarteten Bedarfs ab.

Gleichzeitig wächst der Speichermarkt dynamisch. 2020 lag die installierte Kapazität noch bei rund 2,3 Gigawattstunden. Innerhalb weniger Jahre hat sich der Markt damit massiv entwickelt.

 

Im Stromsektor geht es schneller voran als bei Wärme und Verkehr

Besonders deutlich zeigen sich die Fortschritte im Strombereich. Der Anteil erneuerbarer Energien stieg von 41,7 Prozent im Jahr 2021 auf 55,1 Prozent im Jahr 2025. Im Wärmesektor lag der Anteil erneuerbarer Energien 2025 dagegen nur bei etwa 19 Prozent, im Verkehrssektor bei rund 8 Prozent.

Damit wird klar: Die Energiewende ist im Stromsystem deutlich weiter als in den Bereichen Wärme und Mobilität.

 

Fazit

Die Energiewende in Deutschland macht Fortschritte, aber nicht in allen Bereichen gleich schnell. Photovoltaik und Batteriespeicher wachsen dynamisch, während Windenergie, Netzausbau und sektorübergreifende Integration komplexer bleiben. Entscheidend wird sein, ob Infrastruktur, Speicher und Genehmigungsverfahren mit dem Ausbau Schritt halten. Denn nicht allein die installierte Leistung entscheidet über den Erfolg, sondern das Zusammenspiel von Erzeugung, Netz und Speicher.