Warum kontrollierte Lüftung für Energieeffizienz, Gesundheit und Klimaschutz immer wichtiger wird
Die Anforderungen an moderne Wohngebäude haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Neubauten und energetisch sanierte Bestandsgebäude verfügen heute über eine deutlich dichtere Gebäudehülle als ältere Gebäude. Dadurch sinken zwar die Transmissionswärmeverluste erheblich, gleichzeitig steigt jedoch die Bedeutung einer kontrollierten Lüftung. Ein aktueller Bericht des Kompetenzzentrums für angewandte Energiewende und Klimaschutz Dena (Deutsche Energie-Agentur GmbH) zur Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung zeigt deutlich, welche Rolle moderne Lüftungssysteme für Dekarbonisierung, Energieeffizienz, Versorgungssicherheit und den Gesundheitsschutz spielen.
Gute Raumluft ist keine Selbstverständlichkeit
Wohnräume müssen regelmäßig gelüftet werden, um eine gute Raumluftqualität sicherzustellen. Da sich Menschen den überwiegenden Teil ihres Lebens in Innenräumen aufhalten ist eine ausreichende Frischluftversorgung eine grundlegende Voraussetzung für Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit.
Der Bericht macht deutlich, dass die klassische Fensterlüftung insbesondere in neuen oder energetisch sanierten Gebäuden zunehmend an ihre Grenzen stößt. Doch neben der Fensterlüftung stehen heute zahlreiche technische Lösungen zur freien oder ventilatorgestützten Wohnungslüftung zur Verfügung, die bereits am Markt etabliert und praktisch erprobt sind.
Eine wesentliche Erkenntnis der Analyse betrifft die energetische Entwicklung moderner Gebäude. Während früher vor allem Wärmeverluste über Wände, Dach und Fenster im Mittelpunkt standen, haben sich die Verhältnisse inzwischen deutlich verändert. Nach Angaben des Berichts können heute marktübliche Wohnungslüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung die Lüftungswärmeverluste gegenüber einer freien Fensterlüftung um rund 50 bis 70 Prozent reduzieren. Damit stellen sie einen wichtigen Baustein zur Verbesserung der Energieeffizienz von Wohngebäuden dar.
Neben der Energieeinsparung spielt der Bautenschutz eine zentrale Rolle. Die Feuchtesituation innerhalb eines Gebäudes entscheidet wesentlich darüber, ob langfristig Schäden entstehen. Bereits einfache Abluftsysteme können das Risiko von Feuchteschäden und Schimmelbildung um bis zu 50 Prozent reduzieren. Damit leisten Lüftungssysteme nicht nur einen Beitrag zur Energieeffizienz, sondern unterstützen gleichzeitig den langfristigen Werterhalt von Gebäuden.
Gesundheitsschutz rückt stärker in den Fokus
Die Qualität der Innenraumluft beeinflusst unmittelbar die Gesundheit der Bewohner. Ausdünstungen aus Baustoffen, der Innenausstattung, der Gebäudenutzung sowie Einträge von außen können unterschiedliche gesundheitliche Auswirkungen verursachen. Dies sind unter anderem Atemwegserkrankungen, Allergien sowie Schlafstörungen. Auch Einschränkungen der Leistungsfähigkeit werden häufig mit einer unzureichenden Raumluftqualität in Verbindung gebracht.
Diese Aspekte finden inzwischen auch Berücksichtigung in der europäischen Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie (EPBD). Dort wird unter anderem gefordert, die Mindestanforderungen an die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden so festzulegen, dass gleichzeitig eine ausreichende Raumklimaqualität gewährleistet und eine unzureichende Belüftung vermieden wird.
Marktpotenzial für Lüftungssysteme ist hoch
Im Jahr 2025 wurden in Deutschland etwa 206.600 Wohnungen fertiggestellt, während sich im Gebäudebestand rund 43,8 Millionen Wohneinheiten befanden, von denen 56 % mit Gas und 17 % mit Öl beheizt wurden. Der Absatz von Lüftungsgeräten mit Wärmerückgewinnung (WRG) teilt sich in etwa 46 % zentrale und 54 % dezentrale Systeme auf, wobei zentrale Einheiten vor allem im Neubau (38 %) und dezentrale Geräte gleichermaßen im Neubau und bei Sanierungen (je 27 %) zum Einsatz kommen.
Je nach Entwicklungsszenario können im Jahr 2035 jährlich zwischen 100.000 (Status Quo) und ca. 650.000 Wohnungen (verstärkte Bautätigkeit und höhere Lüftungsdurchdringung) zusätzlich mit WRG-Systemen ausgestattet werden.
Im untersuchten Szenario „BAU-Impuls-Lüftung“ der Studie, das sowohl höhere Bau- und Sanierungsaktivitäten als auch einen steigenden Anteil von Lüftungssystemen mit Wärmerückgewinnung unterstellt, werden für das Jahr 2045 rund 920.000 ausgestattete Wohnungen erwartet.
Trotz dieser Entwicklung erreicht selbst das optimistischste Szenario bis zum Jahr 2045 lediglich einen gesamten Ausstattungsgrad von etwa 30 Prozent aller Wohnungen in Deutschland. Bezogen ausschließlich auf neu errichtete oder sanierte Wohnungen steigt die Ausstattungsquote hingegen auf etwa 48 Prozent.
Der Bericht macht deutlich, dass technische Lösungen zwar verfügbar sind, ihre Vorteile jedoch vielfach noch nicht ausreichend bekannt sind.
Nutzen der Lüftungssysteme für Energieeffizienz und Gesundheit ist vielfach unbekannt
Zu den wichtigsten Hemmnissen zählen die geringe Bekanntheit der Systeme, fehlendes Verständnis bei vielen Marktbeteiligten sowie schwer vergleichbare Kennwerte, die eine Bewertung erschweren. Zusätzlich wird die Wohnungslüftung häufig noch nicht als Lösung für Gesundheitsvorsorge, Bautenschutz und Energieeffizienz wahrgenommen. Auch das sogenannte Mieter-Vermieter-Dilemma wird als Kommunikationshemmnis genannt.
Dem stehen andererseits mehrere Treiber gegenüber. Dazu gehören die hohe Nutzerakzeptanz bereits installierter Systeme, die Vielzahl marktverfügbarer und praktisch erprobter Lösungen sowie die zusätzlichen Vorteile für Gesundheitsvorsorge und Bautenschutz. Darüber hinaus nennt der Bericht zusätzliche Möglichkeiten zur Gebäudeheizung und Gebäudekühlung im Zusammenhang mit den Herausforderungen des Klimawandels.
Zentrale Anlagen eignen sich insbesondere für Neubauten und umfassende Komplettsanierungen. Sie erfordern in der Regel einen höheren Bauaufwand durch die notwendige Kanalinstallation, versorgen jedoch alle Räume gleichmäßig über ein gemeinsames System. Die Steuerung erfolgt zentral und der Wartungsaufwand konzentriert sich auf ein Serviceintervall.
Dezentrale Systeme sind vor allem für Bestandsgebäude und Nachrüstungen vorgesehen. Sie benötigen lediglich eine Kernbohrung pro Raum, lassen sich flexibel erweitern und können raumweise oder per App gesteuert werden. Die Wartung erfolgt jeweils gerätebezogen und die Luftverteilung hängt von der Anzahl der installierten Geräte ab.